Überflutet - Auf ein Wort

julia Rittner-Kopp
Bildrechte: bei der Autorin

Ich liebe den Sommer. Alles an ihm. Auch den Sommer-Regen. Jetzt ist er mir unheimlich geworden. Wasserfluten zerstören Häuser, Brücken, Straßen und Wege - und Menschen-Leben. Die Unwetter-Wirklichkeit ist viel schlimmer als die Unwetterwarnungen. Fassungslos sehe ich auf allen Kanälen, wie das Unglück das Glück überflutet. Und es reißt mich mit. 
Eine Verkäuferin hat gestern zu mir gesagt: „Jetzt wehrt sich die Natur. Es konnte ja nicht immer so weitergehen. Das geschieht uns ganz recht.“
ein, nein, nein, will ich rufen. Nichts davon - geschieht - uns - recht.
Es ist nicht recht, dass Menschen ertrinken. Nicht im Mittelmeer und nicht in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Es ist nicht recht, dass Häuser einstürzen und Menschen verschütten und unter sich begraben. Und es ist nicht recht, dass Feuerwehrmänner, während sie Leben retten wollen, selber ums Leben kommen. Um Gottes willen, nein, das alles ist ganz und gar nicht recht. 
Und jetzt ist nicht die Zeit für klima-politische Abrechnungen.
Jetzt ist Zeit für die Arche.
Die Ärmel hochkrempeln, Gummistiefel anziehen, Eimer und Sandsäcke holen.
Helfen, wo und wie es geht. Und da sein - für die, die Angst haben und für die, die weinen. Da sein, auch aus der Ferne. Mit-trauern. Und vielleicht beten: Rette mich aus tiefen Wassern!

Julia Rittner-Kopp